Leiter Standardisierung
buildingSMART Deutschland
Rainer Raacke ist Bauingenieur mit über 30 Jahren Berufserfahrung in den Bereichen Infrastruktur, Hochbau und Digitalisierung des Bauwesens. Nach seinem Studium des Bauingenieurwesens in Darmstadt war er zunächst mehr als zehn Jahre in der Verkehrsplanung tätig und leitete ein Ingenieurbüro für Infrastrukturprojekte in Thüringen.
Im weiteren Verlauf seiner beruflichen Laufbahn verantwortete er in leitenden Positionen zahlreiche komplexe Hochbau- und Infrastrukturprojekte, unter anderem als technischer Prokurist und Projektverantwortlicher. Von 2009 bis 2023 war er bei der Bickhardt Bau AG tätig. Dort verantwortete er zahlreiche Großprojekte im Verkehrswegebau, leitete als Geschäftsführer das Kompetenzcenter Umwelttechnik und trieb maßgeblich die Einführung der BIM-Methode im Unternehmen voran.
Parallel engagierte sich Rainer Raacke ehrenamtlich als Sprecher der buildingSMART-Fachgruppe Verkehrswege und prägte die Entwicklung von Open-BIM-Standards im Infrastrukturbereich. Seit Februar 2023 ist er hauptamtlich als Leiter Standardisierung bei buildingSMART Deutschland tätig. In dieser Funktion verantwortet er die Koordination der Standardisierungsaktivitäten sowie die fachliche Weiterentwicklung von Open-BIM-Standards und deren Anwendung in der Bau- und Immobilienwirtschaft.
Datum
Bauwerksinformationen aus BIM und geographische Daten aus GIS beschreiben oft dieselben realen Objekte, verwenden aber unterschiedliche Begriffe und Bedeutungen. Dadurch entstehen Missverständnisse bei der Kommunikation zwischen den Disziplinen. Der Vortrag zeigt, wie GIS-Systeme das buildingSMART Data Dictionary (bSDD) und andere Merkmalserver nutzen können, um geographische Objekte semantisch eindeutig zu klassifizieren und mit einheitlichen Attributen zu versehen. Grundlage ist die Idee eines gemeinsamen Wörterbuchs, das Fachbegriffe für BIM- und GIS-Anwendungen bereitstellt. So lassen sich Daten konsistenter, verständlicher und besser zwischen den Disziplinen austauschen. Anhand eines Prototyps in QGIS wird gezeigt, dass diese Integration praktisch umsetzbar ist, auch wenn bestehende GIS-Software und Datenformate noch Grenzen setzen. Ziel ist es zu zeigen, wie das bSDD und ähnliche Merkmalserver die BIM-GIS-Integration verbessern und die Zusammenarbeit in Planung, Analyse und Betrieb erleichtern können.
Der BIM Fit Check ist ein interaktives Challenge-Format von buildingSMART Deutschland, bei dem Softwareunternehmen nachweisen, dass ihre Produkte offene BIM-Standards für klar definierte Anwendungsfälle korrekt umsetzen. Im Jahr 2025 stand die IFC-Georeferenzierung in zwei Veranstaltungen auf dem Prüfstand.
Die erste Runde fand am 8. Mai 2025 auf dem 22. buildingSMART Anwendertag in Essen statt. Sechs Softwareprodukte wurden dazu aufgefordert, ein georeferenziertes IFC-4.3-Modell korrekt zu exportieren und zu importieren. Das Modell kombinierte ein horizontales Koordinatenreferenzsystem (ETRS89 / UTM Zone 32N) mit einem Höhenbezugssystem (DHHN2016). Das Szenario orientiert sich an einer typischen Situation in der Infrastrukturpraxis: Ein Ingenieurbüro exportiert ein Modell in einem bestimmten räumlichen Kontext, und die empfangende Software muss dieses korrekt interpretieren, ohne dass vorab Koordinatenkonventionen abgestimmt wurden. Bewertet wurde die korrekte Verwendung von IfcProjectedCRS und IfcRigidOperation, dem IFC-4.3-Mechanismus zur Einbettung eines Projekts in ein anerkanntes Koordinatenreferenzsystem. Alle sechs Teilnehmer bestanden.
Die zweite Runde fand am 23. September 2025 auf dem internationalen buildingSMART Summit in Berlin statt. Parallel zu einem Alignment-Exchange-Track erweiterten drei Softwareanbieter das Georeferenzierungsszenario um zusätzliche Testfälle.
Beide Runden lieferten ein konsistentes Bild. Die IFC-Spezifikation gibt keine klare Orientierung, wann IfcMapConversion und wann IfcRigidOperation zu verwenden ist. Beide sind Untertypen der Koordinatenoperation, adressieren aber unterschiedliche Situationen: IfcMapConversion transformiert ein beliebiges lokales Ingenieurkoordinatensystem in ein projiziertes KBS; IfcRigidOperation wendet lediglich einen Translationsversatz an, wenn das Projekt bereits in einem anerkannten KBS arbeitet. Ohne normative Vorgabe divergierten die Implementierungen, auch unter Produkten, die den Check bestanden hatten.
IfcProjectedCRS weist zudem eine strukturelle Lücke auf: Die Entität enthält nur einen Freitext-String (VerticalDatum) und bietet keine normative Möglichkeit, ein zusammengesetztes KBS zu referenzieren, das horizontale und vertikale Komponenten kombiniert. Für Infrastrukturprojekte ist das ein Standardbedarf, wie das im Check verwendete Szenario ETRS89/DHHN2016 selbst zeigt.
Auch die Abwärtskompatibilität bleibt ein Problem. Der LoGeoRef30-Ansatz, der den Projektbasispunkt über IfcSite.ObjectPlacement ohne jede KBS-Deklaration kodiert, ist in IFC 4.3 nach wie vor gleichwertig neben LoGeoRef50 gültig. Der Bericht schlägt vor, dieses Spannungsfeld auf MVD-Ebene zu lösen: Ein modernes MVD würde LoGeoRef50 oder höher vorschreiben; ein Legacy-MVD würde LoGeoRef30 für Migrationsfälle zulassen.